Vorschau: Real Madrid gegen Borussia Dortmund

Posted on 1. April 2014Comments Off on Vorschau: Real Madrid gegen Borussia Dortmund
Real Madrid gewinnt auch das Rückspiel souverän mit 3:1 gegen den FC Schalke 04
AFP

Real gegen Dortmund – die Neuauflage. Wieder einmal heißt es: Real Madrid empfängt Borussia Dortmund. Beide Vereine spielten in der letzten Champions League Saison insgesamt vier Mal gegeneinander. 

Real hat eindeutig eine offene Rechnung zu begleichen. Sowohl in der Gruppenphase, als auch, viel entscheidender, im Halbfinale behielt am Ende stets die Borussia aus Dortmund die Oberhand.

Die Madrilenen belegen in der Liga den dritten Rang, nach dem es im Spiel gegen den Erzrivalen aus Barcelona eine Niederlage setzte. Allerdings besteht in der spanischen Liga ein wahnsinnig spannender Dreikampf um die Meisterschaft und man hat ganz sicher noch große Chancen, spanischer Meister zu werden. So darf der momentane Tabellenplatz nicht darüber hinwegtäuschen, dass Real Madrid eine extrem starke Saison spielt. Unter Trainer Carlo Ancelotti hat man sich deutlich gesteigert, spielt wieder viel attraktiveren Fußball. Sorgen bereitet derzeit einzig eine etwas mysteriöse Knieverletzung Christiano Ronaldos. Ob der Portugiese am Mittwoch gegen die Schwarzgelben einsatzfähig ist, wird sich zeigen. Die interessanteste Neuerung unter Ancelotti liegt wohl in der Position Angel di Marias. Ergänzte der Argentinier immer die Flügelzange auf der rechten Seite, so spielt er seit dieser Saison im zentralen Mittelfeld. Das mag zunächst an der Verpflichtung Bales gelegen haben, sowie der Verletzung Sami Khediras, scheint aber mittlerweile weitaus mehr als eine Notlösung zu sein. Aus der Zentrale, neben Modric und von Xabi Alonso abgesichert, kann di Maria seine Stärke im Antritt umso gefährlicher ausspielen. So lassen sich aus kurzen Vorstößen plötzliche „Konter aus dem Nichts“ erarbeiten. Natürlich weicht der Argentinier auch immer wieder auf die Flügel aus und sorgt so jeweils für Überzahl. Gerade auf dem linken Flügel kann das außerordentlich unangenehm für den Gegner sein, hat man es dann mit dem sehr offensiv agierenden Marcelo, di Maria und – sofern fit – Christiano Ronaldo zu tun. So wird der portugiesische Superstar immer wieder links hinterlaufen, so dass er entweder nach außen legen kann und es zur Flanke von der Torlinie kommt oder sich Räume ergeben, die er nutzt, um in die Mitte zu ziehen.

Wenn überhaupt, so ist Real Madrid – ganz traditionell – in der Verteidigung verwundbar. Obschon Ramos und Pepe ganz sicher zwei sehr starke Innenverteidiger sind, ist das Konstrukt konteranfällig. Die Außenverteidiger stehen, wie erwähnt, sehr hoch; dazu kommt das ebenfalls sehr offensiv aufgestellte Mittelfeld.

Die Borussia sollte also, gerade im Hinspiel, sehen, dass sie die Gastgeber da packt, wo sie verwundbar sind: In der Rückwärtsbewegung. Bei Ballgewinn muss es rasant in die gegnerische Hälfte gehen. Gleichzeitig gilt es, defensiv hoch konzentriert zu sein, in der eigenen Hälfte nicht nur Fehler zu vermeiden, sondern auch aggressiv in die Zweikämpfe zu gehen. Allerdings fehlen den Dortmundern wieder einmal unzählige wichtige Spieler. Nicht nur, dass Subotic, Blaszczykowski und Gündogan noch immer ausfallen; nun hat es auch noch Schmelzer getroffen. Das alles wiederum spielt eine untergeordnete Rolle gegenüber der Sperre Robert Lewandowskis. Die Borussen sind es diese Saison gewohnt, wichtige Spieler ersetzen zu müssen. Den Stürmer aber kann derzeit schlichtweg niemand kompensieren. Das liegt zum einen an der fehlenden Qualität Julian Schiebers und zum anderen an den herausragenden Leistungen des Polen. Gerade auswärts in Madrid wäre Lewandowski so unglaublich wichtig gewesen. Es ist dabei nicht nur seine Abschlussstärke – im Halbfinale in Dortmund traf er ganze vier Mal – es ist sein gesamtes Spiel. Als erster Abwehrspieler setzt er bereits die gegnerischen Innenverteidiger im Spielaufbau unter Druck. Bei Ballgewinn der eigenen Mannschaft wiederum dient er als in jeder Lage anspielbarer Wandspieler, der kaum vom Ball zu trennen ist. Dazu verfügt er über eine unglaubliche Physis, ist trotz seiner Robustheit relativ schnell und enteilt so manchem Innenverteidiger. Kurzum: Robert Lewandowski ist momentan einfach nicht zu ersetzen und wird in Madrid an allen Ecken und Enden fehlen.

Wäre Blaszczykowski fit, so könnte Klopp Abuameyang in den Sturm stellen. Der Gabuner aber wird aller Voraussicht nach rechts auf dem Flügel starten. Dort könnte ansonsten der junge Jonas Hofmann spielen. Wahrscheinlicher aber ist, dass Julian Schieber die Position im Sturm Eins zu Eins ersetzen wird. Kann der zuletzt angeschlagene Piszczek auflaufen, so wäre auch Kevin Großkreutz eine Option auf einer der offensiven Flügelpositionen. Gerade rechts hätte das den Vorteil, Christiano Ronaldo eher aus dem Spiel nehmen zu können. Dann könnte eben doch Aubameyang im Sturm spielen. Oder aber Marco Reus, zuletzt mit drei Toren gegen den Vfb Stuttgart aufgefallen, wird auf diese Position gestellt. Jürgen Klopp muss und wird sich etwas einfallen lassen.

Aufgrund der personellen Lage und der derzeitigen Form Real Madrids gehen die Borussen als klare Außenseiter in das Duell. Nichtsdestotrotz gilt es, an die eigenen Stärken zu glauben und sich an die letzte Champions League Saison zu erinnern. Gerät man in Rückstand, so sollte man zwar auf den Ausgleich – und vor allem mindestens ein Auswärtstor – drängen, aber bloß nicht alles riskieren. Es gibt ja auch noch ein Rückspiel. Zuhause. Mit Robert Lewandowski.